Vor einem Rückfall…..

 

Wenn der/die Betroffene aus dem Krankenhaus oder aus einer Entwöhnungsbehandlung, einer Therapie, Reha, heimkommt, sollten Sie über Alkoholismus informiert sein. Sie sollten wissen, was für eine Krankheit das ist, wie sie wirkt und was sie noch anrichten kann. Sie sollten daheim den Haushalt alkoholfrei halten, auch dann wenn der/die Betroffene meint, das sei nicht notwendig.

Wenn sie glauben, das sei nicht möglich wegen Verwandten und Bekannten: wenn jemand zuckerkrank ist, machen Sie ihm dann eine Sahnetorte zum Frühstück und stellen sie ihm ständig die geliebten Pralinen vor die Nase? Griffnähe sollte vermieden werden, auch wenn man glaubt, man habe alles im Griff - vielleicht kommt der Tag, an dem man mal nicht alles im Griff hat. Denken Sie mal nach, wie war das mit der Schokolade im Schrank - nur ein Stückchen ??? und dann war die ganze Tafel weg.

 

Verzichten auch Sie einstweilen auf alkoholisches.

Auch wenn der Partner sagt, das sei nicht nötig!

Damit haben Sie doch keine Probleme?

Oder?

Es kommt in der Zukunft wieder der Tag, an dem Sie schon mal ein Eis mit Schuss essen können. Das springt nicht so ins Gesicht wie ein Glas Bier und mit dem nächsten Kuss warten sie dann ein paar Minuten, ja? Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

 

Sagen Sie nicht? Was?

Bei jeder anderen chronischen Krankheit würden Sie das wohl auch nicht tun.

Oder etwa doch??

Partner sein bedeutet doch, auftauchende Probleme gemeinsam bewältigen. Also interessieren Sie sich für Schwierigkeiten und Nöte, stellen Sie fest, ob Sie etwas dafür tun können, dass die Trockenheit nicht so schwer fällt. Aber kontrollieren Sie nicht alles und jedes. Ein wenig Normalität sollte bald einziehen können. All zuviel Misstrauen macht neue Probleme.

 

Fragen Sie gezielt nach Rückfall-Prävention.

Wurde in der Klinik erarbeitet, wie der persönliche Notfallplan im Falle eines Falles aussieht?

 

Akzeptieren Sie bedingungslos, wer als persönlicher Ansprechpartner für den Fall des Falles angegeben wurde. 

Nörgeln Sie nicht, wenn Sie es nicht sind. Das ist nämlich wahrscheinlich der Fall. Meist kann man in einer schwierigen Situation mit Außenstehenden viel einfacher reden. Seien Sie froh, wenn überhaupt so ein Plan existiert und Sie - wenn es darauf ankommt - den schwierigen Part an den Ausgesuchten abgeben können. Lassen Sie sich den Notfall-Plan erklären - vielleicht müssen Sie im Falle eines Falles den/die Betroffene daran erinnern, oder es ist sogar Ihre Aufgabe, den Ausgesuchten zu informieren und alles Weitere an ihn abzugeben. Fragen Sie präzise - weiß der Auserkorene davon, dass er zum Notfallhelfer erkoren wurde? Wenn ja, kennt er sich ein bißchen aus? Wenn er nichts davon weiß - wieso? Muss das nachgeholt werden? Oder soll er nicht wirklich etwas davon wissen. Soll denn nicht wirklich Hilfe kommen?

 

 

Machen Sie eine Notfallplan für sich selbst.

Überlegen Sie so realistisch wie möglich - wenn der Fall des Falles eintritt, wenn dieser Mensch wieder mit dem Trinken beginnt - was werden Sie tun? Gemeint ist nicht ein kurzer Ausrutscher, der schnell wieder aufgefangen ist. 

Wenn es wieder in alte Trinkgewohnheiten abgleitet, dann werden Sie wieder bekommen, was Sie hatten. Wollen Sie das? Wollen Sie noch einmal von vorn beginnen und zusehen, wie dieser Mensch sich womöglich zugrunde richtet ? Können Sie das aushalten? Und was soll am Ende dabei herauskommen?

Haben Sie selbst für den Fall des Falles einen Nothelfer oder eine Nothelferin, mit der sie dann reden werden? Das sollte möglichst nicht jemand sein, der einen trinkenden Partner daheim hat, oder jemand, der selbst ein Alkoholproblem hat. Es sollte jemand sein, der mit beiden Beinen auf der Erde steht und der in Sachen Alkohol wenigstens ein bisschen bescheid weiß. 

Planen Sie diesmal ohne Druck, was in solch einer Situation zu tun ist, was dem Betroffenen Menschen nutzt und nicht schadet, und wie Sie das durchziehen werden. Schreiben Sie es auf.

Und machen Sie dann auch Gebrauch davon!

 

Nehmen Sie dem Betroffenen nicht wieder alles ab und laufen Sie nicht von Pontius zu Pilatus um Dinge in Gang zu setzen, die dieser Mensch selbst in Gang setzen sollte.

Er/Sie ist nicht entmündigt und nicht hilflos - es ist wichtig, wenn er/sie für alles Notwendige selbst sorgt, denn er/sie muss es wollen, dass Hilfe kommt, wenn etwas schief geht. Ein gesunder Respekt bis zu ein wenig Angst vor einem Rückfall kann hier nichts schaden. Aber reden Sie diesem Menschen nicht Angst ein - wenn er/sie sich nichts zutraut, ist der halbe Weg zum Rückfall schon gegangen. Machen Sie Mut und geben Sie Kraft.

 

Versuchen Sie zu klären, was für Sie in den vergangenen Monaten an Ungeklärtheiten aufgelaufen ist. Machen Sie freundlich, aber bestimmt deutlich, dass Sie ein Recht darauf haben, jetzt über den Alkohol zu sprechen. In den vielen Monaten der Trinkerei durfte man ja nicht über Alkohol oder seine Folgen sprechen. Wahrscheinlich geht es Ihnen so, dass noch viele Fragen offen sind und Angst wegen der Zukunft Ihr Denken beherrscht. Es ist ganz natürlich, wenn Sie Angst haben, dass alles wieder von vorn beginnen könnte. Jeder Mensch in Ihrer Situation hätte diese Angst. Nach der abschließenden Klärung sollte dann aber nicht wieder jeden Tag das gleiche Thema auf den Tisch kommen - wenden Sie sich der Zukunft zu und seien Sie nicht zu ängstlich.

 

Akzeptieren Sie die Antwort: Das Leben als solches bietet nirgendwo eine 100%ige Garantie.

Der/die Betroffene kann Ihnen nichts anderes versprechen.

Sehen Sie sich die Zahlen an - es ist ein 50/50 Risiko.

Hoffen Sie beide, dass Sie sich auf der richtigen Seite der 50% befinden und tun Sie beide alles dafür. Reden Sie miteinander und klären Sie, was für jeden zu tun ist, wenn doch ein Rückfall eintritt.

 

Versuchen Sie ihn/sie in eine Selbsthilfegruppe zu vermitteln.

Alle notwenigen Schritte für solche Fälle sind dort bekannt. Helfende Hände gibt es viele. Evtl. wird hier auch der fehlende Notfallhelfer gefunden. Und wenn man sich erst mal ein paar Wochen kennt, werden Vorzeichen auf einen drohenden Rückfall oft hier vorher erkannt. Sie knüpfen neue Kontakte, treffen auf Menschen, die sich auskennen, es werden wahrscheinlich oft lustige Abende und hier haben Sie garantiert alkoholfreie Umgebung. Nicht zu vergessen:

 

Sie erhöhen die Chancen auf eine zufriedene Abstinenz drastisch - es ist eine Art Versicherung gegen den Rückfall - niemand kann garantieren dass er nicht eintritt, aber man hat alle Möglichkeiten, das Beste daraus zu machen.

 

Und wenn Sie schlau sind, gehen Sie selbst in eine Gruppe - entweder mit dem betroffenen Menschen zusammen oder in eine Gruppe nur für Angehörige. Auch wenn  Sie denken, wozu soll das gut sein. Sie werden erstaunt erfahren, was es noch alles gibt, was Sie seither noch nicht wussten und sie werden Lebenspartner dort treffen, die genau wissen, wovon Sie reden, wovor Sie jetzt Angst haben und Ihnen gute Tipps geben, wie man das alles miteinander durchsteht.

 

 

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